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Perspektiven für vertriebene Studierende


Das Schicksal der im Irak vertriebenen und geflohenen Menschen bewegt uns sehr. Die Autonome Region Kurdistan, mit ihren 5,3 Millionen Einwohnern, hat zwei Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aufgenommen, darunter auch eine hohe Zahl an Jesiden. Im Juli 2014, als Krieger des "Islamischen Staats"ihre Dörfer überfielen, flohen viele von ihnen ins Sindschar-Gebirge und in die autonome Region Kurdistans. Seit dem leben Hunderttausende als Inlandsflüchtlinge in 18 Camps, die zum größten Teil vom UNHCR errichtet wurden. Die Macht des IS ist zwar südlich des Sinchar-Gebirges gebrochen, jedoch ist eine mögliche Rückkehr der Flüchtlinge noch nicht absehbar. Unter den Vertriebenen befinden sich auch Studierende verschiedener irakischer Universitäten.


Bereits vor den Vertreibungen waren jesidische Studierende an den irakischen Universitäten unterrepräsentiert. Aufgrund ihrer Flucht oder wegen der Vertreibung ihrer Familien, haben in den letzten beiden Jahren, viele ihr Studium abbrechen bzw. auf unbestimmte Zeit ruhen lassen müssen.
Während jüngere Geschwister zum Teil ihre Bildungskarrieren an Schulen in den Flüchtlingscamps weiterführen können, gibt es derzeit keine Programme zur Unterstützung von Studierenden. Viele versuchen als Tagelöhner etwas Geld für die Familie zu verdienen oder machen sich auf Grund fehlender Perspektiven auf den Weg nach Europa. DhK hat Anfang des Jahres, ein Programm zur Unterstützung von jesidischen Studierenden an der Universität Dohuk eingerichtet. Entsprechend unserer Grundsätze möchten wir die langfristigen Entwicklungen des Landes im Auge behalten und von der Notfallhilfe zur Entwicklungshilfe übergehen, die auch eine Ausbildungshilfe und Beratung umfasst. Wir glauben, dass wir mit unserem Engagement und unserer Expertise einen wichtigen Beitrag leisten können.

Seit dem Frühjahr diesen Jahres unterstützen wir 20 an der Universität Dohuk eingeschriebene Studierende, die sich als Mitglieder der jesidischen Gemeinde im Irak verstehen und durch die Besetzung des IS von Teilen des Landes betroffen sind, mit einem Stipendium. Das Stipendium umfasst 50 Dollar pro Monat und ermöglicht unseren Stipendiaten ihre Studienkosten zu finanzieren.
Der Großteil unserer Stipendiaten lebt in einem der 18 Flüchtlingscamps, die in der Gemeinde Dohuk eingerichtet wurden. Die von uns geförderten Personen sind zwischen 19 und 27 Jahren alt und in die folgenden Studienfächer eingeschrieben: Jura, Soziologie, Pharmazie, Pflegewissenschaften, Geschichte auf Lehramt, Betriebswirtschaftslehre, Medizin, Ingenieurswissenschaften, Mathematik, Raumplanung, Biologie und Politikwissenschaften.

Im Fokus unseres Programms stehen Studentinnen, da insbesondere diese an den Universitäten im Irak unterrepräsentiert sind. Entsprechend sind unter den von uns geförderten Studierenden 10 Frauen, obwohl sich insgesamt nur 21 (von 130 Bewerbern) Studentinnen bei uns um ein Stipendium beworben hatten. Darüber hinaus war es uns wichtig Studierenden, die vor der Besatzung durch den "Islamischen Staat" an der Universität Mosul studiert haben, dabei zu unterstützen nun ihr Studium an der Universität der Dohuk fortzusetzen. Dies trifft auf neun unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten zu.

Die Auswahl unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten erfolgte auf Basis einer von uns veröffentlichten Ausschreibung auf die sich insgesamt 130 Studierende beworben haben, die laut eigenen Angaben "internally displaced persons (IDPs) und der jesidischen Gemeinde angehören. Etwa 30% aller Bewerberinnen und Bewerber studierte vorher in Mosul. Bewerbungen liegen uns aus mehr als 20 verschiedenen Studiengängen vor: Darunter sind insbesondere Studiengänge aus den Bereichen Medizin und Pflege (21%), Naturwissenschaften (16%), Wirtschaftswissenschaften (12%), Ingenieurswissenschaften (12%) und den Erziehungswissenschaften/Psychologie (11%) am häufigsten vertreten. Der Großteil der Bewerberinnen und Bewerber berichtete, in den als Teil der Bewerbungsunterlagen zu verfassenden Motivationsschreiben, von großen Nöten und der Sorge, dass Studium abbrechen zu müssen. Daher ist uns eine Auswahl nicht leicht gefallen. Sie erfolgte schließlich nach umfassender Sichtung der Bewerbungsunterlagen nach unseren Förderkriterien, Beratungen mit Vertretern der jesidischen Gemeinde und Auswahlgesprächen mit Kandidatinnen und Kandidaten. Die Auszahlung der Stipendien erfolgt monatlich vor Ort durch unsere Partnerorganisation KURDS.

Gerne würden wir mit Ihrer Unterstützung unser Stipendienprogramm ausweiten und weiteren Studierenden,
die derzeit auf unserer Warteliste stehen, ermöglichen ihr Studium an der Universität Dohuk fortzusetzen.

Auszüge aus den Motivationsschreiben unserer Stipendiaten:

  Aktueller DhK Flyer

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Schwanenwall 34 - Reinoldinum

44135 Dortmund

eMail: dhelfenkur@aol.com

Tel.: + 49 231 45 80 74

Fax: + 49 231 17 33 99


 
 
 
 

 

 
 

Name (Kürzel)

Auszug aus dem Bewerbungsschreiben

L.A.M.

Ich studiere Soziologie, damit ich meiner jesidischen Gemeinde helfen kann. ..Nach meinem Studium möchte ich die Stimme der Jesiden werden und sie nach außen vertreten, damit wir in Frieden leben können. Ich bin verheiratet. Wir sind 12 Personen in der Familie. Die meisten von uns haben das Studium aus finanziellen Gründen abgebrochen. Mein Vater ist behindert und sitzt zu Hause. Wir haben kein Einkommen und die ökonomischen Verhältnisse sind sehr schwierig.

- 23 Jahre, Soziologiestudentin

H.K.S.

Mein Ziel und mein Traum ist es den Jesiden zu helfen. Ich studiere zurzeit im zweiten Jahr Pharmazie. Als ich 9 war , starb mein Vater. Wir bekommen von nirgendwo Geld, nur meine Mutter erhält Wohlfahrtspflege. Meine Geschwister sind alle noch Schüler.

- 21 Jahre, Studentin der Pharmazie

J.K.K.H.

What made me chose this study programme was my belief in my talent and that my qualifications qualify me for this study programme. Beside the benefit I will attain for myself and for my family the jesid community will also benefit from it.

- Studentin der Pharmazie

S.B.M.J

Uns geht es finanziell sehr schlecht. Früher hat mein Vater gearbeitet, aber jetzt ist er arbeitslos. Ich bin Studentin und brauche Ihre Hilfe.

- 23 Jahre, Geschichtswissenschaft

H.A.Q

Ich lebe im Studentenwohnheim und meine Familie lebt in einem Zeltlager in Shekan. Wir sind arm. Wir haben finanzielle Schwierigkeiten. Vor einigen Tagen musste eine Operation verschoben werden, weil wir kein Geld hatten. Ich hoffe, dass Sie uns helfen können. Mein Vater ist krank und liegt im Bett. Dankeschön. - 2, Jahre, Studentin der Betriebswirtschaftslehre

G.A.H.

Studying in the college of medicine was my principal dream. I worked diligently throughout my high school to achieve my goal, and now I have it. This field is more related to humanitarian aims.I will do my best to gain this trust and be part of this program and any other project that might assist my community. I conclusion I absolutely want and love to help people, of course including my family.

- 22 Jahre, Medizinstudentin

H.S.A.

Meine Familie lebt seit der Shingal-Tragödie bis heute in der Türkei. Mein Vater und jüngster Brüder leben in Deutschland. Ich lebe im Irak bei meiner Tante und meinem Großvater in einem Zeltlager (Chim-mishko) in Zaxo.

- 19 Jahre, Medizinstudentin

 

 

 

 

 


 

 

A.I.H.

Ich wollte schon Ingenieurswissenschaften studieren als ich ein Kind war. Ich habe dieses Thema geliebt und mir viele Mühe gegeben, um einen Studienplatz in diesem Studiengang zu bekommen. Mein Ziel ist es, der jesidischen Gesellschaft helfen zu können. Ich möchte, soweit möglich, allen Menschen helfen.

- 22 Jahre, Studentin der Ingenieurswissenschaften

A.H.

Ich bin Studentin an der Universität. Ich gebe immer mein Bestes um anderen und insbesondere jesidischen Studenten helfen zu können. Unter den schwierigen Umständen ist es nicht leicht. weiter zu studieren, trotzdem habe ich es bis ins zweite Jahr geschafft. Ich bin ein Flüchtling aus Sinjar. Ich wohne in einem Zelt. Im Winter ist es dort sehr kalt. Das Leben ist sehr schwer.

- 23 Jahre, Studentin der Mathematik

S.H.S.

Ich bin eine Studentin die für Menschenrechte kämpfen möchte. Insbesondere für die Angelegenheiten der jesidischen Menschen. Ich werde auch für Frauenrechte kämpfen, damit unsere jesidische Gemeinschaft in Zukunft in Frieden und Würde leben kann.

- 25 Jahre, Studentin der Betriebswirtschaftslehre

F.G.N.

Ich habe keinen Vater und ich bin der einzige in der Familie. Ich bin sehr arm. Mein Wunsch ist, mein Studium abzuschließen. Aufgrund der Situation musste ich mein Studium fünf Jahre aussetzen. Ich besuche jetzt einen Psychologen um meine Depression und die starke Trauer zu behandeln.

- 27 Jahre, Student der Biologie

J.M.B.

Vier meiner Geschwister und meine Eltern bekommen keine staatliche Unterstützung und leben von Gottes Gnade: dies konnte passieren, weil wir in einer chaotischen, nationalistischen und hierarchischen Gesellschaft leben. Meine Bitte an sie ist, dass internationale Institutionen, Organisationen und NGOs den jesidischen Studierenden helfen, da sie die Grundlage von Entwicklungen sind.

- 22 Jahre, Student der Politikwissenschaften

K.M.H.

Mein Ziel ist es, dass ich mein Studium abzuschließen. Ich habe kein monatliches Einkommen und bekomme keine Unterstützung vom Staat, deswegen benötige ich Ihre Unterstützung, um mein Studium abschließen zu können. Mein Vater ist 60 Jahre alt und kann nicht mehr arbeiten. Außerdem bin ich verheiratet und habe eine Tochter. Trotz all der Probleme versuche ich immer weiter zu studieren.

- 22 Jahre, Student der Betriebswirtschaftslehre

R.Q.H.

Mein Wunsch ist, dass ich und das gesamte jesidische Volk frei leben können, ohne Probleme oder Krieg. In unserer Gesellschaft ist es schwer frei leben zu können. Wir haben gar keine Kraft uns selber zu unterstützen.

- 19 Jahre, Student der Mathematik

J.K.K.

Wir haben das unmögliche geschafft. So kann es nicht weitergehen. Die andere Hälfte der jesidischen Studenten kommen täglich mit dem Bus oder Taxi an die Uni. Viele davon haben nicht so viel Geld den Bus zu zahlen und sie müssen sich Geld leihen. Ich bin mit einer Behinderung geboren. Ich bin sehr arm und komme aus einer armen Familie. Derzeit helfen mir meine Freunde damit ich mein Studium weitermachen kann. Meine Freunde essen weniger und kaufen weniger Klamotten, damit ich weiter studieren kann, deshalb würde ich mich sehr über ein Stipendium freuen.

- 22 Jahre, Student der Betriebswirtschaftslehre

D.S.H.

..and the live conditions of Jesid people needs two types of support: 1. A. Morallly: To help them to re-trust by themselves; B.: Re-back kidnapped people. 2. Moneterily: Jesidian community needs this type of support there by shortage of job opportunities after they left their jobs. And also they left all their properties in Shingal. And thrifted by ISIS.

- 25 Jahre, Student der Raumplanung

N.M.N.

Meine Familie besteht aus 9 Personen. Wir leben unter einem Dach. Wir haben kein monatliches Einkommen und auch keine monatliche Unterstützung von Parteien. Vom Genozid durch ISIS im Shingal ist meine Familie besonders betroffen: 19 Personen aus meiner Familie wurden entführt.

- 26 Jahre, Student der Raumplanung

S.K.K.

So after graduation I want to do something for my family to get money. Maybe to go outside of Iraq or to a place where people can live in.

- 21 Jahre, Student der Raumplanung

N.K.N.

Unser Vater ist vor fünf Jahren verstorben. Meine vier Brüder und meine Schwester sind in der Ausbildung. Ich bin verheiratet und lebe mit meiner Familie im Sharia Camp in Dohuk. Die Camps werden von der kurdischen Regionalregierung verwaltet. Ich lebe mit meiner Familie in einer ökonomisch sehr schwierigen Situation. Es ist zum Verzweifeln.Trotz der vielen Probleme besonderen Herausforderungen unserer Gesellschaft halte ich es für wichtig, dass Frauen sich auch entwickeln und an allen gesellschaftlichen Bereichen teilhaben und Zugang zu Bildung haben. Weil Frauen die Gesellschaft sind.

- 21 Jahre, Student der Pflegewissenschaften

M.B.A.

Da ich kein Geld hatte und am 03.08.2014 sehr viele Kathastrophen passiert sind, konnte ich nicht weiter studieren. Ich komme aus einer sehr armen Familie. Ich habe gar kein Einkommen, deshalb schreibe ich Ihnen das, damit Sie uns vielleicht helfen, damit ich mein Studium weiter fortführen kann.

- 22 Jahre, Student der Pflegewissenschaften

S.N.K.

Ich studiere Jura, da ich gerne Anwalt werden möchte um mich aktiv gesellschaftlich zu engagieren um die Rechte der Unterdrückten zu vertreten. Darunter auch die der jesidischen Gemeinde, die zum 74ten mal Opfer eines Genozids wurden. Ich wünsche mir, dass ich eine aktive Person in der Gesellschaft werde und das ich meiner Familie und meiner Kaste helfen kann.

- 23 Jahre, Jurastudent