Stipendienprogramm

Aktuell: Auswirkungen von Covid-19 auf das Stipendienprogramm
Die Universität ist geschlossen, deshalb leben die Stipendiat*innen zuhause bei ihren Eltern.
Die Stipendien können z.Zt. nicht verteilt werden, da keine Überweisungen möglich sind bzw. die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten keine Übergabe zulassen.
Viele jesidische Studierende haben Probleme mit dem Zugang zum Internet und können sich deshalb an den Online-Lehrprogrammen nicht angemessen beteiligen.

Trotz Corona:
16 junge Menschen, die wir in den letzten Jahren begleitet und unterstützt haben, bestanden in den letzten Wochen erfolgreich Ihre Abschlussprüfungen.
Eine Auswahl ihrer Berichte: 2020_DhK_AbsolventInnen.

Ausgangslage

Die Autonome Region Kurdistan mit 5,3 Millionen Einwohnern nahm zwei Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Iraq und Syrien auf, darunter viele Angehörige der jesidischen Minderheit.
Unter den Vertriebenen befinden sich auch Studierende der Universität Mossul, die ihr Studium abbrechen oder – mit Anreise aus einem Flüchtlingslager  – an den Universitäten in Dohuk oder Erbil fortsetzen mussten.

Perspektiven für vertriebene jesidische Studierende im Irak –
das Stipendienprogramm von DhK (Kurzinfo pdf)

Mit einem Stipendienprogramm unterstützt DhK seit 2016 vertriebene jesidische Studierende.  Im Studienjahr 2018/19 waren es bereits 30 an der Unversität Mosul und  20 an der Universität Dohuk.

Das Stipendienprogramm für jesidische Studierende ist sehr erfolgreich.

Über 500 bedürftige Studierende bewarben sich für das Förderjahr 2019 (s. Abb. unten).

Struktur der neuen Bewerbungen 2019 (große Grafik)

Die Not ist groß: Mehr als drei Viertel der Familien der Antragstellenden leben in Flüchtlingscamps in Kurdistan oder Sinjar, nur ein Viertel der Familienväter hat (wenigstens gelegentlich) eine Beschäftigung. Die Studierenden selbst wohnen ebenfalls in Lagern, in Studierendenheimen oder zur Miete; fast die Hälfte hat keinen ruhigen Ort zum Lernen (mehr) und fast drei Viertel zu wenig Geld. Jede vierte Bewerbung kam von einer Frau.

DhK hilft Studentinnen in Dohuk, in ihrem Wohnheim einen Aufenthalts- und Lernraum einzurichten und bittet dafür um Spenden (weiter).

Der Bedarf übersteigt unsere Möglichkeiten bei weitem. Aus der großen Zahl der Bewerbungen geeigneter und bedürftiger Studierender müssen wir jedes Jahr aufgrund der Bewerbungsschreiben und in Auswahlgesprächen 20 Studierende für ein Stipendium auswählen (50 US Dollar bzw. 45 Euro pro Monat). Insgesamt können wir nur 50 Stiependien vergeben.

In dem Poster „Access and barriers to higher education for Yazidi minority students in Iraq“ sind viele Information zu den Studienbedingungen der jesidischen Studierenden auf einer Seite zusammengestellt.

Die Workshops, die wir bei jedem Besuch in Dohuk mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten durchführen, bieten eine Plattform zum Austausch und Dialog. Sie zeigen uns, dass unser kleines Programm auch zum Zusammenhalt der jesidischen Studierenden beiträgt und besonders die Frauen stärkt.

Zur Fortsetzung unseres Stipendienprogramms sind wir weiterhin dringend auf Eure/Ihre Unterstützung angewiesen (zum Spenderbrief 2019).

Über die Entwicklung unseres Stipendienprogramms werden wir Euch/Sie regelmäßig informieren.

Pflegeausbildung an der Universität und Erklärungen am Computer (mit H.W.)

Das Stipendienprogramm

Bereits vor den Vertreibungen waren jesidische Studierende an den irakischen Universitäten unterrepräsentiert. Aufgrund ihrer Flucht oder wegen der Vertreibung ihrer Familien, mussten viele ihr Studium abbrechen bzw. auf unbestimmte Zeit ruhen lassen.
Während jüngere Geschwister zum Teil ihre Bildungskarrieren an Schulen in den Flüchtlingscamps weiterführen können, gibt es derzeit keine Programme zur Unterstützung von Studierenden. Viele versuchen als Tagelöhner etwas Geld für die Familie zu verdienen oder machen sich auf Grund fehlender Perspektiven auf den Weg nach Europa.

DhK richtete deshalb im Jahr 2016 ein Programm zur Unterstützung jesidischer Studierender an der Universität Dohuk ein. Entsprechend unseren Grundsätzen möchten wir die langfristige Entwicklung des Landes im Auge behalten und von der Notfallhilfe zur Entwicklungshilfe übergehen, die auch Ausbildungshilfe und Beratung umfasst. Wir glauben, dass wir mit unserem Engagement und unserer Expertise einen wichtigen Beitrag leisten können.

Im ersten Jahr konnten wir 20 an der Universität Dohuk eingeschriebene Studierende unterstützen, die sich als Mitglieder der jesidischen Gemeinde im Irak verstehen und vor dem IS geflohen sind. Das Stipendium umfasst 50 Dollar pro Monat und ermöglicht unseren Stipendiaten, ihre Studienkosten zu finanzieren.
Im Jahr 2017 konnten wir bereits 31 Studierende unterstützen, von denen acht ihr Studium im Frühjahr 2018 erfolgreich abschlossen. Im selben Jahr reichten die Spenden für 50 Förderstipendien für bedürftige jesidische Studierende.

Genderfokus: Im Fokus unseres Programms stehen Studentinnen, da sie an den Universitäten im Irak unterrepräsentiert sind. Entsprechend sind rund die Hälfte der von uns geförderten Studierenden Frauen. Außerdem war es uns wichtig, Studierende, die vor der Besatzung durch den „Islamischen Staat“ an der Universität Mosul studierten, dabei zu unterstützen, ihr Studium an der Universität der Dohuk fortzusetzen.

Die Auswahl unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten erfolgt auf der Grundlage einer von uns veröffentlichten Ausschreibung, auf die sich bereits im ersten Durchgang 130 Studierende bewarben, die laut eigenen Angaben „internally displaced persons (IDPs)“ waren und der jesidischen Gemeinde angehörten. Etwa ein Drittel hatte vorher in Mosul studiert. Die Bewerbungen kamen aus mehr als 20 Studiengängen, insbesondere aus Medizin und Pflege (21%), Naturwissenschaften (16%), Wirtschaftswissenschaften (12%), Ingenieurswissenschaften (12%) und  Erziehungswissenschaften/Psychologie (11%).

Der Großteil der Bewerberinnen und Bewerber berichtet in den als Teil der Bewerbungsunterlagen zu verfassenden Motivationsschreiben von großen Nöten und der Sorge, das Studium abbrechen zu müssen. Die Auswahl fällt uns daher nicht leicht. Sie erfolgt nach einer umfassender Sichtung der Bewerbungsunterlagen nach unseren Förderkriterien, Beratungen mit Vertretern der jesidischen Gemeinde und Auswahlgesprächen mit den Kandidatinnen und Kandidaten. Die Auszahlung der Stipendien erfolgt monatlich vor Ort durch unsere Partnerorganisation KURDS.

Gerne würden wir mit Ihrer Unterstützung unser Stipendienprogramm ausweiten und weiteren Studierenden, die derzeit auf unserer Warteliste stehen, ermöglichen ihr Studium an der Universität Dohuk fortzusetzen.

Auszüge aus den Motivationsschreiben unserer Stipendiatinnen:
„Ich studiere Soziologie, damit ich meiner jesidischen Gemeinde helfen kann. Nach meinem Studium möchte ich die Stimme der Jesiden werden und sie nach außen vertreten, damit wir in Frieden leben können. Ich bin verheiratet. Wir sind 12 Personen in der Familie. Die meisten von uns haben das Studium aus finanziellen Gründen abgebrochen. Mein Vater ist behindert und sitzt zu Hause. Wir haben kein Einkommen und die ökonomischen Verhältnisse sind sehr schwierig.“ (L.A.M., 23 Jahre, Studentin der Soziologie ).
Mein Ziel und mein Traum ist es den Jesiden zu helfen. Ich studiere zurzeit im zweiten Jahr Pharmazie. Als ich 9 war , starb mein Vater. Wir bekommen von nirgendwo Geld, nur meine Mutter erhält Wohlfahrtspflege. Meine Geschwister sind alle noch Schüler“ (H.K.S., 21 Jahre, Studentin der Pharmazie).

Die Zukunft der jesidischen Flüchtlinge ist ungewiss.

Die jesidischen Flüchtlinge aus der Region Sinjar – fast eine halbe Million im Gouvernorat Dohuk – warten immer noch auf eine geordnete Rückführung. Ihre Dörfer wurden weitgehend zerstört und mit versteckten Bombenfallen versehen. Außerdem sind die politischen Rahmenbedingungen unklar, denn alle Fraktionen der kurdischen Seite, die Irakische Miliz Hizb-ul-Shab und die irakische Regierung ringen um Einfluss in der Region. Ohne Programme für Entschädigungen und Hilfen zur Rückkehr müssen die Familien weiterhin in Flüchtlingscamps, informellen Siedlungen oder unfertigen Gebäuden ausharren.